Ablauf einer Lachgasanalgesie in der minimalinvasiven ästhetischen Dermatologie

Gutes Aussehen ist wichtiger denn je und so nimmt die Anzahl der durchgeführten Schönheitsoperationen weiter zu. Laut einer Statistik der Internationalen Gesellschaft für Plastische Chirurgie in 2020 weltweit rund 25 Millionen Eingriffe durchgeführt. Deutschland liegt mit fast 500.000 Eingriffe auf Platz 5.

Dieser Trend hat sich durch die Corona-Pandemie nur verstärkt, denn seitdem die sozialen Netzwerke, wie TikTok und Instagram und auch Meetingplatformen wie Zoom Teams oder Facetime Konjunktur haben, wurde auch der Wunsch nach einem schöneren Äußeren bei vielen immer größer.

So verändert sich auch der Fokus der Behandlungen. In einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch Plastische Chirurgie kam heraus, dass in 2020 die Faltenunterspritzung mit Hyaluron & Botox weit vor Brustvergößerung und Fettabsaugung lagen.

Einen der größten Anstiege verzeichnete die DGÄPC allerdingst in den sog. sanften Eingriffen. 73,5% aller Eingriffe erfolgten 2021 nichtoperativ. 2020 waren es noch 64% und 2019 42%.

 

Wie Lachgas in der minimalinvasieven Ästhetik eingesetzt wird

 

Lachgas bietet eine hervorragende Oberflächen-Anästhesie und ist daher sowohl für großflächige Behandlungen der Haut, wie auch für fokussierte Eingriffe hervorragend geeignet. Besonders überzeugend ist bei Lachgas das Sicherheitsprofil, dass es den Behandlern ermöglicht, risikoarm und schnell zu arbeiten. Lachgas wird nicht verstoffwechselt und hat keinen Einfluss auf die Atmung und den Kreislauf. Mit einer arbeitsfähigen Wirkung ist bereits nach drei Minuten zu rechnen und eben so schnell klingt die Wirkung nach der Behandlung auch ab.

Die Applikation des Schlauchsystems erfolgt standardmäßig über ein doppellumiges Schlauchsystem (zu anderen Systeme später mehr), über das das Gas sowohl zugeführt wie auch abgeführt wird. Der Patient atmet dafür das Lachgas über ein Mundstück mit Filter ein.

 

Grundlagen der Dosierung von Lachgas

Ein großer Unterschied von Lachgas zu anderen analgetischen Substanzen ist, dass wir die Dosis nicht nach Körpergewicht oder anderen Parametern einstellen. Eine Grundregel der Lachgasdosierung lautet: Jeder Mensch braucht eine andere Dosis und diese Dosis ist von Tag zu Tag unterschiedlich. Das bedeutet, dass wir uns an die optimale Dosis herantasten (das sog. Titrieren).

Dabei kommt uns zu Gute, dass Lachgas seine Wirkung sehr schnell entfaltet. Schon nach 1-3 Minuten, ist eine Wirkung feststellbar. Die Halbwertszeit von Lachgas ist ebenfalls sehr kurz. Schon nach 3 Minuten sind 90% vom Effekt wieder weg. Dadurch ergibt sich die Möglichkeit, die Dosis zu jederzeit nach oben und unten zu verändern.

Wir beginnen also mit einer niedrigen Dosis. Warten mindestens eine Minute. Wir prüfen ob die Wirkung ausreichend, zu stark oder zu schwach ist. Dann erhöhen wir diese, falls notwendig.

Eine zu hohe Dosis kann zu Unwohlsein beim Patienten führen. 

 

Das Finden der richtigen Dosis von Lachgas in der Ästhetik

Wir haben verschiedene Geräte in ästhetischen Praxen im Einsatz. Geräte mit einer veränderbaren Dosis und Geräte mit einer festen Dosis. Außerdem kann das verwendete Schlauchsystem Einfluss auf die Dosis haben.

Geräte mit einer festen Dosis sind standardmäßig auf 50% Lachgas und 50% Sauerstoff eingestellt. Bei diesen Systemen erfolgt die Dosierung ausschließlich patientenseitig. Dieses System hat sich in der Geburtshilfe bereits bei der Analgesie von sehr starken Schmerzen bewährt.

 

Wie erfolgt die patientenseitige Dosierung von Lachgas in der Ästhetik?

Die Systeme mit einer festen Dosis von 50%, wie unsere Equinox-Systeme, sind mit einem On-Demand-Ventil ausgestattet. Das bedeutet das Gerät gibt nur dann Gas ab, wenn der Patient einatmet. Der Patient hält das Schlauchsystem selbst fest und atmet über ein Mundstück das abgegebene Gasgemisch ein. Eine zu hohe Dosis könnte dazu führen, dass der Patient anfängt zu lachen oder sich unwohl zu fühlen. Sollte das passieren, kann der Patient bei jedem dritten oder zweiten Atemzug das Mundstück zur Seite legen und Raumluft atmen. Sollte die abgegebene Wirkung dagegen zu schwach sein, kann der Patient seine Atemfrequenz erhöhen und auf diese Weise die Menge der eingeatmeten Lachgasmolekülen erhöhen.

 

Wie erfolgt die geräteseitige Dosierung von Lachgas in der Ästhetik?

Geräte mit einer geräteseitigen Dosiermöglichkeit kommen ursprünglich aus der Zahnheilkunde und haben die Möglichkeit die Lachgas-Dosis analog oder digital von 0%-70% zu verändern. Ein guter Startpunk für jede Lachgasanalgesie ist entweder 50% oder 40%. Wir lassen den Patienten diese Dosis ca. 1-2 Minuten einatmen und überprüfen dann durch Nachfragen, ob wir bereits eine Wirkung erzielt haben.

Es ist ratsam dem Patienten ebenfalls die patientenseitige Dosierung zu erklären, ihm dies aber nur als Notfallmaßnahme an die Hand zu geben, falls ihm unwohl wird.

Achtung: für manche Patienten ist bereits eine Dosis von 40% zu hoch. Observieren sie ihren Patienten in den ersten Minuten ganz genau, um Unwohlsein zu vermeiden.

 

Einfluss von Schlauchsystemen

Unsere Empfehlung für die ästhetische Dermatologie sind sog. Koaxiale Schlauchsysteme. Diese doppellumigen Systeme haben in einem Schlauch sowohl die Zufuhr als auch die Abfuhr. Die Dosierung ist hier sehr genau.

Dentale Schlauchsysteme wie Axess können in Ausnahmefällen benutzt werden, falls sie einen besseren Zugang zu den Lippen wünschen. Die kleinen Nasenmasken müssen sehr dicht sitzen, damit sich eine Wirkung entfaltet. Sie können hier einen Aufschlag von 20% auf die Dosis kalkulieren. Das bedeutet, wenn sie 60% einstellen, wird ihr Patient ca. 40% bekommen.

 

Zeichen der Lachgasanalgesie

Achten sie besonders auf diese Zeichen, um eine Wirkung rechtzeitig zu erkennen und Unwohlsein zu vermeiden.

  • Alle Veränderungen im Gesicht (z.B. Entspannung der Muskulatur, Veränderung der Hautfarbe)
  • Veränderung des Blicks (z.B. apathischer Blick, Weitung der Pupillen (selten), Einschießen von Tränenflüssigkeit bildet einen feuchten Film auf dem Auge)
  • Verlangsamte Bewegung des Auges (nicht mehr suchend, sondern eher starrer Blick)
  • Reduzierter Liedschlussreflex (kann durch Überstreichen über Augenlied getestet werden)
  • Reduzierung des Pulses (Pulsoxymeter)
  • Ansprache des Patienten und Erfragen den des Befindens

 

Wie fühlt sich der Patient während der Lachgasanalgesie in der Ästhetischen Dermatologie?

 

Am wichtigsten ist, dass ihr Patient sich wohl fühlt. Der beste Satz, um zu erfragen, ob die Dosis gut gewählt ist, ist: „Ist das angenehm für sie?“ Sie werden auf diese Frage nur eine positive Antwort bekommen, wenn die Dosis weder zu hoch noch zu niedrig ist.

 

Körperempfindungen die Ihr Patient beschreiben könnte

Wichtig: Lachgas fühlt sich für jeden etwas anders an, daher können diese Sensationen auftreten, müssen aber nicht.

 

  • Kribbeln
  • Schwindel
  • Gefühl von Leichtigkeit
  • Gefühl von Schwere
  • Hören von Echos
  • Entfernte Laute hören sich nah, nahe Laute weiter entfernt an
  • Geräusche hören sich generell lauter an
  • Unscharfer Blick

 

Optimalerweise fühlen sich diese Effekte für den Patienten angenehm an. Ansonsten ist eine Reduktion der Dosis empfehlenswert. Dies muss unter der Berücksichtigung geschehen, dass die Analgesie dann noch ausreichend ist. Sehr häufig handelt es sich hier um einen Kompromiss.

 

Wie reduzieren sie das Unwohlsein bei einer Überdosierung?

 

Wichtig: Das Unwohlsein der Lachgasanalgesie ist zu keinem Zeitpunkt gefährlich. Bewahren sie Ruhe und reagieren sie folgender Maßen:

(Geräteseitige Dosierung) „vielen Dank dass sie mich darauf hingewiesen haben, dass sie sich unwohl fühlen. Ich gehe jetzt mit der Dosis etwas runter. Achten sie einmal auf ihre Dosis, weil schon nach 8 Atemzügen geht es ihnen wieder besser.“

 

(Patientenseitige Dosierung) „Vielen Dank dass sie mich darauf hingewiesen haben. Atmen sie nebenbei jetzt mehr Raumluft bis es ihnen wieder besser geht. Sie werden sehen, schon nach 8 Atemzügen fühlen sie sich wieder wohl.“

 

 

Wie weit reduzieren sie die Dosis?

Ist ihnen eine Dosis bekannt, die für den Patienten angenehm war? Dann gehen sie dahin zurück. Ansonsten reduzieren sie 10-20%. Nur in extremen Fällen gehen sie auf 0%.

Bei der Patientenseitigen Dosierung lassen sie 1-3x Raumluft zwischen atmen. Nur in extremen Fällen atmen sie ausschließlich Luft.

Nach der Reduzierung der Dosis sagen sie: „Schauen sie mal, was wir hier für eine tolle Substanz haben. Schon nach so kurzer Zeit geht es ihnen wieder gut!

 

 

Lachgasdosen über 50%

Bei den meisten Patienten kann eine gute Analgesie mit 50% Lachgas erreicht werden. Dosen über 50% sind möglich, es besteht aber eine erhöhte Gefahr von Unwohlsein. Deswegen sollte dieser Bereich mit Vorsicht genutzt werden und idealerweise nur für einen begrenzten Zeitraum.

Gibt es einen Abschnitt in ihrem Verfahren, der für den Patienten besonders schmerzhaft oder eine Körperpartie, die besonders sensibel ist? Dann können sie für diesen Bereich die Dosis auf 60 oder 70% erhöhen. Halten sie während dessen besonders Kontakt mit ihrem Patienten. Sprechen sie sie an und fragen nach dem Befinden; mit positiv formulierten Sätzen wie: „geht es ihnen gut?“, „Ist das in Ordnung?“ oder „Kommen sie zurecht?“ Bleiben sie in diesem Bereich nur so lange wie nötig.

Tipp aus der Verhaltensführung: vermeiden sie negative Formulierungen wie: „Tut das weh?“ oder „geht es ihnen schlecht?“, weil diese das Schmerzempfinden oder die Wahrnehmung von Unwohlsein verstärken.

Im Übrigen gibt es auch Patienten, die eine Dosis von über 50% sehr gut tolerieren. In diesem Fall können sie diese Dosis auch aufrechterhalten. Steigen sie aber nicht mit 60 oder 70% in den Prozess ein, sondern starten sie mit 40% und erhöhen sie die Dosis um 10 Prozentpunkte im Minutentakt.

 

Fahren sie nicht Achterbahn mit ihren Patienten

 

Sie sollten vermeiden, die Dosis zu häufig zu ändern. Ständiges hoch und runter dosieren während einer Behandlung kann Übelkeit auslösen. Streben sie daher eher an, eine Erhaltungsdosis zu erreichen und diese dann stabil zu halten.

 

 

Zusätzliche analgetische Maßnahmen bei der Lachgasbehandlung

 

Lachgas bietet eine hervorragende Oberflächenanalgesie. Trotzdem kann es passieren, dass wir lokal eine noch bessere Analgesie haben wollen. Daher wird empfohlen Lachgas nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den bisherigen Verfahren einzusetzen.

Wenn angebracht, sollten sie also weiterhin, zusätzlich zum Lachgas, auf Liocain, Kühlung etc. zurückgreifen, um eine größtmögliche Schmerzlinderung zu erreichen.

 

Sättigung des Blutes mit Lachgas vor der Behandlung beachten

Lassen sie ihren Patienten jetzt die Erhaltungsdosis für mindestens 3 Minuten atmen, damit das Blut ausreichend mit Lachgas gesättigt ist und die analgetische Wirkung im ganzen Körper stattfindet. Erst dann beginnen sie mit der Behandlung.

Lassen sie die Patienten auch in Situationen, in denen die Behandlung kurz pausiert ist, das Lachgas weiter einatmen, um die bestmögliche analgetische Wirkung aufrecht zu erhalten.

 

 

Ablauf einer Lachgasanalgesie in der minimalinvasiven, ästhetischen Dermatologie

 

  • Aufklärungsgespräch
  • Vorbereitung des Systems (genug Gas, Schlauchsystem, Mundstück/Maske)
  • Pre-Talk (Was kann der Patient erwarten, wie fühlt sich zu viel Lachgas an, wie funktioniert geräteseitige Dosierung?)
  • Gerät anstellen (Dosierbare Geräte auf 50% & ca. 10lpm)
  • Optimale Dosis finden
  • Einleitung (min 3 Minuten Lachgas inhalieren für Aufsättigung)
  • Falls noch nicht passiert weitere analgetische Maßnahmen ergreifen (Kühlung, Lidocain etc.)
  • Geht es dem Patienten gut? Ist die Dosis ausreichend?
  • Beginn der Behandlung
  • Regelmäßig nach dem Befinden des Patienten fragen
  • Bei Geräteseitiger Dosierung zum Ende der Behandlung drei Minuten Sauerstoff geben

 

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